Literatur und Musik

Die Heroen der klassischen und romantischen Dichtkunst und Musik waren es, die von den, durch zwei Generationen getrennten, Künstlerinnen Dagmar von Kumin (Rezitation) und Jamina Gerl (Klavier) unter dem Titel „Liebe, Leidenschaft und Menschlichkeit“ präsentiert wurden. Ein gewaltiges Programm, für die Künstlerinnen und die Zuhörer.

Jamina Gerl lauscht der Rezitatorin Dagmar von Kumin

Dagmar von Kumin, (*1933 in Riga, Lettland), die in Remagen wohnt, kam als Kind nach Deutschland, absolvierte ihre Schauspielausbildung in den 1950er Jahren und trat erstmals 1956 bei Gustaf Gründgens (1899-1963) im Deutschen Schauspielhaus Hamburg auf. 1960 bis 1962 war sie Fernsehansagerin und trat danach, und noch immer, in Fernsehrollen auf. Aber auch als Sprecherin und Regisseurin von Hörspielen machte sich Dagmar von Kurmin einen Namen. Als Rezitatorin sind Balladen ein bevorzugtes Repertoire. Trotz ihres fortgeschrittenen Alters ist sie, was an diesem Abend zu erleben war, noch immer in der Lage ausdrucksstark und facettenreich zu rezitieren.

Über Jamina Gerl konnte ich schon zweimal berichten (s. Beiträge vom 13.02.2016 und 26.04.2018). Diesmal betrat die junge Künstlerin zusammen mit der Rezitatorin die Bühne und spielte die adäquaten Klavierstücke zu den Wortbeiträgen. Zur Eröffnung trug Jamina Gerl das „Präludium in g-Moll“ von Clara Schumann (1819-1896) und von Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1847) das „Con moto agitato“ aus der Fantasie in fis-Moll Op.28“ vor.

Danach übernahm Dagmar von Kumin. Von Theodor Fontane (1819-1898) trug sie, aus dessen Gedichten, „Ich bin hinauf, hinabgezogen“ und „Sei milde stets“, vor. Von Albrecht Goes (1908-2000), dem deutschen Schriftsteller und protestantischen Theologen, stammte das folgende Gedicht „Die Schritte“. Das russische Wiegenlied eines Kosakenkindes trug Frau von Kumin dann in der russischen Originalsprache vor. Als Abschluss dieses ersten Zyklus folgte noch von Hermann Hesse (1877-1962) „Meine Mutter“.

Am Piano spielte dann Jamina Gerl von Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791) das „Adagio“ aus der Sonate KV 332 in F-Dur.

Das Gedicht „Nun die Schatten dunkeln“ von Emanuel Geibel,(1815-1884) dem deutschen Lyriker aus Lübeck – von ihm stammt auch das Wanderlied „Der Mai ist gekommen“ -, und „Gretchen am Spinnrad“ von Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) vervollständigten den zweiten Zyklus.

Nun die Schatten dunkeln,
Stern an Stern erwacht:
Welch ein Hauch der Sehnsucht
Flutet in der Nacht!

Durch das Meer der Träume
Steuert ohne Ruh‘,
Steuert meine Seele
Deiner Seele zu.

Die sich dir ergeben,
Nimm sie ganz dahin!
Ach, du weißt, dass nimmer
Ich mein eigen bin.

„Gretchen am Spinnrad“ trug Dagmar von Kumin gleich in deutscher, englischer, französischer, russischer und lettischer Sprache vor. Alles Sprachen, die sie fließend beherrscht.

Die Geschwister Fanny Hensel (1805-1847) und Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1847) waren die Komponisten der nächsten beiden Stücke. Zuerst erklang von Fanny Hensel „Lied ohne Worte“ und anschließend von Felix Mendelssohn Bartholdy „Das Gondellied“ in A-Dur.

Es folgten die Balladen „Mit zwei Worten“ von Conrad Ferdinand Meyer (1825-1898) und „Der König in Thule“ von Johann Wolfgang von Goethe, das Sonett „Erinn’re Dich an mich“ von der britischen Dichterin Christina Rossetti (1830-1894) und die Ballade über Maria Stuart „Das Lied des James Monmouth“ von Theodor Fontane.

Ein Kind der Sünde, ein Stuartkind,
Es blitzt wie Beil von weiten:
Den Weg, den alle geschritten sind,
Ich werd‘ ihn auch beschreiten.

(die 4. strophe)

Bevor es in die Pause ging spielte Jamina Gerl von Camille Saint-Saëns (1835-1921), dessen bekanntestes Stück wohl „Der Karneval der Tier“ ist, „Carillon“ (Glockenspiel) aus dem Album Op. 72. und Dagmar von Kumin rezitierte aus dem Trauerspiel Maria Stuart von Friedrich von Schiller (1759-1805) „Die Begegnung der beiden Königinnen“ (Elisabeth I. und der in England gefangenen Maria Stuart).

Nach einer viertelstündigen Pause eröffnete die „Aria“ aus der Sonate Op. 11 in fis-Moll von Robert Schumann (1810-1856) den musikalischen zweiten Programmteil. Als Wortbeiträge waren die Balladen „Des Sängers Fluch“ von Ludwig Uhland (1787-1862); „Die Füße im Feuer“ von Conrad Ferdinand Meyer und „Gorm Grymme“ von Theodor Fontane zu hören.

Der polnische Komponist Frédéric Chopin (1810-1849) steuerte das 1841 entstandene „Nocturne“ Op. 48 Nr. 1 in c-Moll bei, bevor die beiden Balladen „Die Söhne Haruns“ von Conrad Ferdinand Meyer und „Der Ring des Polykrates“ von Friedrich von Schiller, sowie des letzteren Gedicht „Teilung der Erde“ (Was tun? spricht Zeus) vorgetragen wurden.

Den Schlusspunkt setzte Jamina Gerl mit dem Sonett del Petrarca No 123 „I vidi in terra angelici costumi“ von Franz Liszt (1811-1886).

Jamina Gerl spielte wieder gewohnt gekonnt den Flügel und Dagmar von Kumin, trotz ihres Alters, alle Texte auswendig rezitiert, trug mit variabler klarer Sprache vor. Die beiden Künstlerinnen nahmen den berechtigten Beifall mit Freude entgegen.